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28. Februar 201115:33

Teil 1: Eine Einladung zur Hochzeit

Jasveer ist auf dem Weg zu seiner Hochzeit in Indien.

Im Deutschen heißt es „Vaterland" und „Muttersprache". Ich weiß nicht, was der genaue Grund für diese elterliche Aufgabenverteilung ist (womöglich der Umstand, dass Männer schweigsamer sind als Frauen), aber für mich persönlich finde ich sie sehr passend: Wann immer ich in die Heimat meines Vaters komme, fühle ich mich zu Hause.

Zuletzt war ich vor mehr als zehn Jahren in Indien. Mein Cousin hatte damals geheiratet, und so konnte ich an einer typisch indischen Hochzeit teilnehmen - im engsten Familienkreis, also mit rund 600 Gästen sowie einer bunten Mischung aus jahrhundertealten indischen Ritualen und vergleichsweise neuen Hochzeitsbräuchen westlicher Prägung.

Meine Dienstreise mit der Deutsch-Indischen Parlamentariergruppe hatte noch gar nicht richtig begonnen, da wurde ich wieder zu einer indischen Hochzeit eingeladen. Auf dem Frankfurter Flughafen kam ich ins Gespräch mit Jasveer, einem 25-jährigen Inder, der seit knapp drei Jahren in Kanada arbeitet und nun auf dem Weg in sein Heimatdorf bei Neu Delhi war, um dort zu heiraten. Natürlich zeigte mir Jasveer Bilder von seiner Braut (lebt in Indien, will aber bald nachkommen), seinem jüngeren Bruder (arbeitet in Delhi, möchte aber auch ins Ausland), seinen Kommilitonen in Kanada (darunter eine Ex-Freundin), seinen Eltern (betreiben eine Landwirtschaft, zumindest mit Erbsen und Zuckerrüben) seinen Großeltern sowie einem Cousin - Familie hat in Indien noch immer einen hohen Stellenwert.

Danach unterhielten Jasveer und ich uns noch etwas über Sport und Politik, wobei ich feststellen konnte, dass ich mit zwei Einschätzungen offenbar richtig lag: Erstens gilt Hockey in Indien offiziell zwar nach wie vor als Nationalsport, aber in Wirklichkeit dreht sich alles ums Cricket. Und zweitens scheint es tatsächlich nur eine Frage der Zeit, bis  Rahul Gandhi Premierminister wird und damit einer Familientradition folgt, die sein Urgroßvater Jawaharlal „Pandit" Nehru mit der Gründung des unabhängigen Indiens im Jahr 1947 begonnen und dessen Tochter Indira Gandhi sowie ihr Sohn Rajiv Gandhi fortgesetzt hatten. Dessen Witwe, Sonya Gandhi, war klug genug zu erkennen, dass sie als gebürtige Italienierin keine Chance auf ein hohes Staatsamt haben würde; stattdessen übernahm sie den Vorsitz der - mittlerweile wiedererstarkten - Kongresspartei, um dort aus dem Hintergrund umsichtig die politische Karriere ihres Sohnes zu befördern.

Rahul Gandhi wird wegen der laufenden Haushaltsverhandlungen vermutlich keine Zeit haben, um sich mit unserer Delegation zu treffen. Dafür habe ich eine Einladung zu Jasveers Hochzeit bekommen - am 8. März. Wie passend.

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