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1. März 201112:21

Teil 2: Das Matchmaking Bhavan

Gespräche im Max Mueller Bhavan

Auch im 21. Jahrhundert gibt es in Indien noch viele arrangierte Ehen. Selbst in ansonsten eher westlich geprägten Gesellschaftsschichten wird darauf hingewiesen, dass arrangierte Ehen (nicht Zwangsehen) statistisch erfolgreicher verlaufen als "Zufallsfunde". Wie das "Matchmaking" im modernen Indien auch funktionieren kann, konnten wie bei unserem Besuch in der indischen Variante des Goethe-Instituts, dem - nach dem berühmten Indologen benannten - Max Mueller Bhavan erfahren.

 

Das Max Mueller Bhavan in Delhi ist in einer ansehnlichen Villa untergebracht, die in den 1930er Jahren im Zusammenhang mit dem Aufbau des Regierungsviertels in der neuen Hauptstadt Neu Delhi errichtet wurde.  Das Max Mueller Bhavan in Delhi, zugleich die Zentrale des Goethe Instituts in der Region Südostasien,  existiert seit ca. 50 Jahren. Begrüßt wurden wir durch den Leiter des Instituts, der nicht das erste Mal und nach eigener Aussage sehr gern in Indien arbeitet. Anschließend stellte die Bibliotheksleiterin die im Herbst 2010 neu eröffnete Bibliothek vor, die modern und funktional gestaltet und über eine gute Auswahl deutscher und englischer Literatur verfügt.

 

Anschließend hatten wir Gelegenheit, mit Deutschstudentinnen der Oberstufe des Max Mueller Bhavan ins Gespräch zu kommen. Der Kurs findet 5 mal in der Woche statt und dauert ca. 1-2 Stunden pro Tag. Die weibliche Form ist hier bewusst gewählt - der einzige Mann des Oberstufenkurses war bei unserem Gespräch nicht dabei. In den unteren Stufen, so konnten wir erfahren, sei das Verhältnis von Frauen und Männern noch ausgeglichen, später jedoch stiegen viele Männer aus. Hierfür hatten die anwesenden Studentinnen eine einleuchtende Erklärung: Frauen sind einfach intelligenter.

 

Für indische Verhältnisse sind die Kurse nicht ganz billig. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen einen Eigenbeitrag von rund 13.000 Indische Rupien leisten; das entspricht ca. 600 Euro; die Prüfungsgebühren sind darin noch nicht enthalten. Zu ihrer Motivation gaben die Studentinnen ganz unterschiedliche Gründe an - von der Verbesserung der eigenen beruflichen Chancen in einer globalisierten Welt bis hin zur Liebe zur deutschen Sprache und Kultur. Eine Teilnehmerin sagte, sie habe verstehen wollen, was in deutschen Fernsehserien so gesagt wird. Was sie uns nicht verraten hat, ist, inwieweit ihre Erwartungen sich durch ihre jetzt hervorragenden Deutschkenntnissen erfüllt haben. Das aus meiner Sicht bemerkenswerteste Motiv lieferte eine andere Studentin: "Ich traf einen gut aussehenden deutschen Austauschschüler, mit dem ich gern deutsch sprechen wollte." Vermutlich sind es Gründe wie diese, warum das Max Mueller Bhavan (MMB) auch das "Matchmaking Bhavan" genannt wird.


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