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4. März 201116:33

Teil 8: ...und noch eine andere Perspektive

Treffen mit NGOs und Menschenrechtsexperten

Ein Wechsel der Perspektive ist eigentlich immer gut, um den eigenen Standpunkt richtig einordnen zu können. Für Politiker - und gerade für Abgeordnete - gilt das ganz besonders. Eine weitere Sicht auf die politische Situation in Indien konnten wir bei unserem Treffen mit Menschenrechtsexperten und Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Nichtregierungsorganisationen kennen lernen.

Zur Lage der religiösen Minderheiten in Orissa gab Prof. Rehmann vom "Dr. K. R. Narayanan Centre for Dalit and Minorities" der Jamia Millia Islamia Universität einige Hintergrundinformation. In dem Staat an der indischen Ostküste hatte sich bereits in den 1930er Jahren eine Bewegung mit dem Ziel eines unabhängigen christlichen Staates formiert. Soweit es die aktuelle Situation betreffe, sei unstrittig, dass es in den vergangenen Jahren zu Übergriffen auf Christen (und Muslime) gekommen sei; während jedoch die staatlichen Stellen die Ursache der Angriffe eher in Landkonflikten verorten, sehe er die Aggressionen vor allem als religiös motiviert an.

Die Lage der Minderheiten stellt sich im Nordosten Indiens nach Einschätzung von Prof. Hazarika vom "Centre for North East Studies" und U.N. Singh, dem Direktor der "United NGO Mission in Manipur", komplett anders und insoweit unterschiedlich dar, als die ethnischen Minderheiten dort zahlenmäßig zum Teil wesentlich größer und auch parlamentarisch stärker verankert seien. Insgesamt hätten die staatlichen Stellen Übergriffe gegen Minderheiten in den vergangenen Jahren konsequent verfolgt, und praktisch überall liefen Gespräche zwischen der Regierung und Widerstandsbewegungen mit dem Ziel, den - derzeit noch fragilen - Frieden zu stabilisieren. Problematisch sei aber nach wie vor die Versorgung der Menschen mit sauberem Wasser, Lebensmitteln u.a.

Die Leiterin des "Centre for Social Research", Dr. Kumari, schilderte die Entwicklung der Menschenrechte in Indien aus einer feministischen Perspektive. Nach wie vor sei häusliche Gewalt gegen Frauen weit verbreitet, ebenso die Zwangsabtreibungen weiblicher Föten. Auch hätten viele Mädchen keinen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung. Positiv sei, dass das gesellschaftliche Bewusstsein für diese Fragen wachse und Frauen und Mädchen ihre Menschenrechte zunehmend einforderten. Aktuell setze sich eine "Koalition der Frauen" für ein "Gender Budget" ein. Bis dahin sei es aber noch ein weiter Weg.

Dr. Marianus Kujur, Leiter der "Tribal and Dalit Unit" des Indian Social Institute, Christ und Angehöriger einer ethnischen Minderheit, erläuterte die Zusammenhänge zwischen demokratischen Defiziten, religiöser Diskriminierung, Verfolgung ethnischer Minderheiten und sozialen Konfliktursachen, z.B. aufgrund des fehlenden Zugangs ganzer Bevölkerungsschichten zu natürlichen Ressourcen. Damit Indien den Anspruch, die größte Demokratie der Welt zu sein, erfüllen könne, müssten auch diese Fragen geklärt werden. Dazu bräuchte es u.a. Mechanismen zur zivilen Konfliktlösung. Diese sind vor allem dann erfolgreich, wenn es den Beteiligten gelingt, sich in die Lage der jeweils anderen Seite zu versetzen - und sich damit eine andere Perspektive zu verschaffen.

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