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8. März 201111:17

Teil 12: "Quit India!"

Governors Residence, Gandhi-Statue

"Quit India!" - "Verlasst Indien!" lautete eine zentralen Forderungen, mit denen sich die britische Regierung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts konfrontiert sah. So klar und unmissverständlich diese Ansage war, so vielfältig und kreativ waren die Mittel, die die indische Unabhängigkeitsbewegung einsetzte, um dieses Ziel zu erreichen. Einige davon hatte der Rechtsanwalt Mohandas Karamchand Gandhi bereits zuvor in Südafrika erprobt und nun an die Verhältnisse in Indien angepasst und weiterentwickelt. Dazu zählten verschiedene Varianten des zivilen Ungehorsams wie Hungerstreiks, "Non-Kooperation" und andere Formen des gewaltlosen Widerstands. Deren politische Wirkung rührte auch daher, dass Gandhi sie konsequent selbst praktizierte - weshalb der britische Premierminister sich auch öffentlich über den "halb nackten Fakir" aufregte.

Über 60 Jahre nach seiner Ermordung ist Gandhi - den Beinamen Mahatma ("große Seele") hatte ihm einst der indische Literaturnobelpreisträger Rabindranath Tagore verliehen - im indischen Leben noch sehr präsent. Auch am letzten Tag unserer Delegationsreise bezogen sich unsere Gesprächspartner auf den "Father of Nation". So wie Vincent Chinnadurai, Vorsitzender der Minderheitenkommission von Tamil Nadu (indienweit der einzige Christ in dieser Funktion) und sein Bruder (seit 12 Jahren als Pfarrer in Leimen tätig), die für einen entspannteren Umgang mit nichtchristlichen Religionen warben. Oder Surjit Singh Barnala, Gouverneur von Tamil Nadu, Jahrgang 1926, der als Aktivist der "Quit India" - Bewegung selbst 9 Mal für insgesamt dreieinhalb Jahre im Gefängnis saß, und später Ministerpräsident des Punjab, Bundesminister und Abgeordneter der Lok Sabha wurde.

Mit N. Ram, dem Herausgeber von The Hindu - einer großen überregionalen Tageszeitung - und seinem Redaktionsteam sprachen wir u.a. über die politische Lage und die Korruption in Indien. Danach berichteten uns Prof. M. S. Ananth, Direktor der IIT-Madras, und seine Kollegen von aktuellen Projekten der vor gut 50 Jahren als indisch-deutsche Kooperation gegründeten Spitzenuniversität, bevor uns Dr. Suprya Dharini die Arbeit der Tree Foundation vorstellte, einer Stiftung, die sich seit 2002 mit Umwelterziehung und anderen Öko-Projekten befasst und u.a. eine Meeresschildkröten-Rettungsstation betreibt.

Alles in allem eine dichte Folge von Terminen am Abschlusstag unserer Reise. So wie eigentlich auch alle anderen Tage voll verplant waren. Aber eben auch gut organisiert von der Bundestagsverwaltung, der Deutschen Botschaft und dem Generalkonsulat. Mein persönliches Fazit:

a) Indien ist... viel zu vielschichtig, als dass man es in ein paar Sätzen zusammenfassen könnte.
b) Die Kollegen aus den anderen Fraktionen sind netter als sie es im Bundestag durchblicken lassen. Ich werde das berücksichtigen, wenn ich beim nächsten Mal im Plenum zurück pöbeln möchte,
c) und Mumbai ist wirklich weiter entfernt von Delhi, Bhubaneswar und Chennai, als meine Tante es wahrhaben will. Was bedeutet, dass ich in jedem Fall noch mal wiederkommen werde.

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