16. Februar 201213:51

In der Sozialkirche

Der Kieler Stadtteil Gaarden gilt als Sozialer Brennpunkt. Was man genau darunter zu verstehen hat, wird einem erst beim Besuch der dortigen Sozialkirche klar. Da hier auch die Kieler Tafel ihre Ausgabestelle hat, können die Auswirkungen des neoliberalen Sozialstaatsabbau vor Ort wahrgenommen werden. "Die Zahl der Hilfebedürftigen hat zweifelsohne zugenommen" so Pastor Matthias Ristau, der die Sozialkirche von Seiten der Kirchengemeinde betreut. Unschätzbar daher das kirchliche Engagement.


Auslöser für die Einrichtung der Sozialkirche war der soziostrukturelle Wandel im Stadtteil Gaarden. So war der Stadtteil nach dem Krieg infolge von Flüchtlingsströmen immens angewachsen. Ohneweiteres bedurfte die Evangelische Kirchengeminde dreier Kirchen. In den sechziger und siebziger Jahren zogen dann vermehrt türkische Arbeiterinnen und Arbeiter in den Stadtteil. Daneben verlor die Religion ihre Bedeutung im Alltag der alteingesessenen Bevölkerung. Als die Schließung einer der drei Gaardener Kirchen zur Debatte stand, war man sich schnell einig, dass hier erstmals Raum für ein neuartiges Projekt frei wurde.

Mittlerweile ist die Sozialkirche eine feste Institution im Kieler Osten. Gaardener Evangelische Kirchengemeinde, die Kieler Stadtmission und die Kieler Tafel sind Träger einer sich wunderbar ergänzenden Kooperation.


"Es geht nicht nur darum, hier Lebensmittel durch die Tafel zu verteilen" so Pastor Ristau. "Die Sozialkirche will Ort der Begenung sein, wo Bedürftige einen würdevollen Umgang erfahren." Dafür sei es ein gutes Signal, dass die Kirche ihre Türen öffnet.

Christoph Nogacki(raju.sharma@wk.bundestag.de)PermalinkTrackback-Link
Tags: kiel, sozialkirche
Views: 88

Kommentar(e)

bobo7
17. Februar 201208:17
Sozialkirche

Würdevoll? Es gibt wohl kaum etwas entwürdigenderes, als sich bei einer Tafel abgelaufene Yoghurts, braune Bananen Instantfood aus Tüten usw. in die Plastiktüte füllen zu lassen; alles natürlich erst nach dem Ziehen einer Nummer und langer, langer Wartezeit. Wehe den Letzten in der Reihe; sie gucken dann schon mal zu, wie schnell die einigermassen noch begehrenswerten Lebensmittel abgeräumt werden. Die Reste sind nicht immer das Beste. Empfehle mal einen Besuch zu den Öffnungszeiten der Tafel.

Mein Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht