Ursprünglich "nur" eines der größten Segelsportereignisse weltweit, ist die Kieler Woche längst zu einem multifunktionalen Event geworden, bei dem es neben Segelsport, Kultur und kulinarischen Köstlichkeiten auch ein breites Unterhaltungsprogramm für die ganze Familie sowie Informationsangebote aus allen gesellschaftlichen Bereichen gibt.
Was Kultur und kulinarische Köstlichkeiten betrifft, gehört für mich ein Bummel über den Internationalen Markt zum Pflichtprogramm, am liebsten mit einem indischen Snack am pakistanischen Stand, untermalt von irischer Musik. Beim Unterhaltungsprogramm empfehle ich auch in diesem Jahr aus familiären Gründen wieder die Nachwuchsbands auf der Jungen Bühne, und hier insbesondere das Konzert von "matten zwei" am Donnerstag http://bit.ly/jX7eXp.
An einem der Informationsangebote zur Kieler Woche konnte ich in diesem Jahr als Volksvertreter selbst mitwirken: Als Gesprächspartner im Infomobil des Deutschen Bundestages. Das Infomobil des Deutschen Bundestages ist ein tonnenschwerer LKW mit überdachter Bühne, einem separaten Besprechungsraum, einem Großbildschirm für die Vorführung von Filmen und Online-Zugängen zu den Seiten des Deutschen Bundestages - ein zumindest ungewöhnlicher Anblick zwischen all den Buden und Ständen auf dem Kieler-Woche-Volksfest-Rummel.
Das Infomobil soll den Bürgerinnen und Bürgern einen Einblick in die Funktionsweise der parlamentarischen Demokratie ermöglichen. Die teilweise komplizierten Verfahren und Vorgehensweisen werden anschaulich und verständlich erklärt und so den Interessierten die Organe des Bundestages, der Ablauf von Plenarsitzungen und das Gesetzgebungsverfahren näher gebracht.
Die drei Mitarbeiter aus der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Bundestages, die den Bus betreuen, reisen fast das gesamte Jahr mit dem Infomobil durch die Bundesrepublik. Sie besuchen Volksfeste, Messen und Marktplätze. Mit den Kieler Woche Terminen (17. bis 26. Juni) beginnt das Infomobil eine dreiwöchige Tour durch Schleswig-Holstein. Vom 27. bis 29. Juni wird das Infomobil auf dem Schiffbrückenplatz in Rendsburg stehen, vom 30. Juni bis 2. Juli in Flensburg am Platz an der Hafenspitze und vom 4. bis 6. Juli in Husum auf dem Marktplatz. Vom 1. bis 6. August kehrt der Info-Bus wieder nach Schleswig-Holstein zurück und steht dann auf der Landesgartenschau in Norderstedt.
Die Abgeordneten des Bundestages haben die Möglichkeit, die Mitarbeiter des Infomobils tatkräftig zu unterstützen und Präsenz zu zeigen. Am vergangenen Montag traf ich dabei auf Gesprächspartner, die ähnlich wie in den Bürgersprechstunden die Möglichkeit nutzten, mir nicht nur Fragen zur Arbeit im Bundestag zu stellen, sondern um auch ihrerseits dem Abgeordneten die Lage der Bundespolitik aus Sicht des Volkes zu erklären. Ich finde das nicht nur sehr informativ sondern mitunter durchaus auch unterhaltsam. So hatte mir ein Besucher seinen ganzen Frust über die FDP geschildert. Was die alles falsch gemacht hätten. Er fand es unglaublich, wie man mit falschen Versprechen und mit so einem "Herumgeeiere" eine Partei dermaßen herunterwirtschaften könne. Tja - Volkes Stimme. Was soll ich da widersprechen? Ich versprach, die Anmerkungen und Hinweise an die Kolleginnen und Kollegen weiterzugeben.
Nicht immer ging es bei den Gesprächen um klassische Bundesthemen. So wurde ich zum Beispiel auf die Zustände im städtischem Krankenhaus hingewiesen. Viele der Beschäftigten dort klagen über schlechteArbeitsbedingungen. Was vor Jahren noch mit beispielsweise sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geleistet wurde, müssen heute drei oder vier Kolleginnen und Kollegen erledigen. Arbeitsverdichtung ist das große Thema im städtischen Krankenhaus Kiel. Viele der Beschäftigten fühlen sich gestresst und überfordert, der Krankenstand ist hoch. Durch die Auslagerung der Servicebereiche wie Wäscherei, Küche und Hausmeisterei in eine Tochter-GmbH sind zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu "Aufstockern" geworden, auch den Schülerinnen und Schüler der hauseigenen Pflegeschulen droht Ähnliches. Der Aufsichtsrat plant, die Schule in eine GmbH umzuwandeln. Kaum ist das neue Berufsbildungszentrum des Krankenhauses mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II errichtet worden, würden die etwa 100 Pflegeschüler aus dem "Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst" ( TVöD) heraus bugsiert. Denn nach der Rechtsformänderung dürfte ihr Gehalt um 20 Prozent sinken, sowie Wochenendzuschläge und Urlaubsgeld wegfallen. Politisch verantwortlich für diese Fragen ist letztlich die Kieler Ratsversammlung - die Stadt Kiel ist alleinige Gesellschafterin des städtischen Krankenhauses und ihrer Tochter-GmbHs. Ich versprach diese Themen an den Kreisverband und die Ratsfraktion meiner Partei weiterzuleiten und sie zu bitten, mich über die Entwicklung beim städtischen Krankenhaus auf dem Laufenden zu halten.
Insgesamt war es eine interessante Stunde Bürgerarbeit, die ich auf der Kieler Woche erlebt habe. So oft es terminlich möglich ist, will ich gern wieder "Dienst" am Infomobil schieben - zum Zuhören.