Liebe Gastgeber, liebe Gäste, liebe Gläubige!
Im Sommer letzten Jahres hatte ich das Vergnügen, den zweiten Vorsitzenden der Alevitischen Gemeinde in Kiel, Herrn Atif Cucunel, kennen zu lernen. Er besuchte mich in meiner Bürgersprechstunde, um von mir als religionspolitischem Sprecher meiner Fraktion die Positionen der LINKEN in Religionsfragen zu erfahren.
Natürlich habe ich bei der Darstellung unserer Positionen deutlich gemacht, dass wir als LINKE nicht kirchen- oder gar religionsfeindlich sind, und dass wir uns einsetzen für die Gewährleistung der Glaubensfreiheit unter Beachtung der Neutralität des Staates, wie dies – um mal ein positives Beispiel zu nennen –hier in Berlin mit dem Ethik- bzw. Religionsunterricht – zwar nach erheblichen Vorbehalten – aber im Ergebnis bis jetzt doch sehr erfolgreich verwirklicht worden ist. Ein weiteres Beispiel für die positive Arbeit des Berliner Senats ist das Partizipations- und Integrationsgesetz. Ich wünsche diesem Gesetz, dass es ähnlich erfolgreich wird und auch bundesweit Schule machen wird.
Ich konnte erfahren, dass auch die Alevitische Gemeinde mit Sorge betrachtet, dass die Spaltung unserer Gesellschaft immer in Arm und Reich immer stärker wird.
Und ich konnte noch mehr Übereinstimmungen in wichtigen Fragen feststellen: Zum Beispiel, dass das Bekenntnis zur Gleichberechtigung von Mann und Frau zu den wichtigen Elementen auch der alevitischen Glaubenslehre gehört.
Auch dieses Beispiel zeigt, dass es nicht den einen Islam gibt. Genau wie bei Christen, Juden oder anderen Glaubensrichtungen gibt es sowohl konservative als auch liberale Auslegungen und Lebensweisen der Gläubigen. Das zeigt die Alevitische Gemeinde im besonderen Maße.
Und weil das so ist, sollten wir alle unseren Beitrag dazu leisten, vorhandene Vorurteile und Ängste gegenüber dem Islam abzubauen, statt sie zu schüren. Umso wichtiger ist es daher, einander kennen zu lernen. Deshalb freue ich mich besonders, heute hier zu sein.
Wären Treffen wie dieses häufiger, würde der Fokus - wie viel zu oft der Fall - nicht auf den Unterschieden der verschiedenen Bekenntnisse liegen, sondern viel mehr auf deren Gemeinsamkeiten - den Grundsätzen nämlich, die jeder Religion zugrunde liegen: die Liebe zum Menschen, der Glaube an das Gute in ihm, der Wunsch nach Gemeinschaft und Solidarität.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen schönen und erkenntnisreichen Abend. Vielen Dank.