Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Christinnen und Christen, liebe Gäste, liebe Redner!
Für ein Radio-Interview wurde ich vor einiger Zeit gefragt, wo ich die größten Überschneidungen und Differenzen zwischen linken und amtskirchlichen Positionen sehe.
An Gemeinsamkeiten fällt mir vieles ein: das Streben nach Frieden und Solidarität, die Bekämpfung von Armut und sozialer Ungerechtigkeit, die Ablehnung von reinem Profit- und Effizienzdenken. Aber leider entsteht zuweilen der Eindruck, dass diese wunderbaren Ziele vom Gerangel um Macht und Privilegien an den Spitzen der Kirchen in den Hintergrund gedrängt werden.
Bei der Befreiungstheologie, die das Thema dieser Veranstaltung ist, besteht diese Gefahr nicht. Die Christinnen und Christen organisieren sich selbst, sie lassen sich die Art ihres Glaubens nicht von Autoritäten vorschreiben und interpretieren die Bibel in einem Sinne, der nicht nur auf Erlösung im Jenseits, sondern genau so auf Veränderung der Verhältnisse im Diesseits baut.
Leider kann ich heute nicht persönlich hier sein und mit Euch diskutieren, ob wir eine Befreiungstheologie in Europa brauchen. So sage ich auf diesem Wege: Menschen, die sich solidarisch gegen Unterdrückung und Ausbeutung wehren, kann es gar nicht genug geben – ob gläubig oder nicht.
Herzliche Grüße