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Raju Sharma mit Abdullah Uwe Wagishauser, Bundesvorsitzender der Ahmadiyya Muslim Jamaat

Grußwort von Raju Sharma zur Veranstaltung „Islam und Toleranz“ der Ahmadiyya Muslim Jamaat am 18. Mai 2011 in Kiel

Raju Sharma

Liebe Gastgeber, liebe Gäste, liebe Gläubige!  Veranstaltungen wie diese leisten ein wichtigen Beitrag für den interreligiösen Dialog. Sie fördern  gegenseitiges Verständnis und helfen Vorurteile und Ängste gegenüber dem Islam und muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern abzubauen. 

Und Vorurteile und Ängste gegenüber dem Islam sind keine gesellschaftlichen Randerscheinungen, geschürt von extremen Rechten. Sie sind, wie nicht zuletzt die hohe Akzeptanz der Thesen Thilo Sarrazins zeigt, längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. So wie auch der Islam Teil von unserer Gesellschaft geworden ist. Ich war froh und dankbar, dass Bundespräsident Wulff diese Selbstverständlichkeit gleich zu Beginn seiner Amtszeit klar und deutlich ausgesprochen hat. Die zum Teil heftigen Reaktionen aus den Reihen der Union haben aber auch etwas anderes gezeigt: Dass es viele Konservative gibt, die sich weigern, die - veränderte - Wirklichkeit zur Kenntnis und die Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels anzunehmen, die deshalb aber auch die Chancen nicht sehen, die dieser Wandel mit sich bringt. 

Für mich ist die kulturelle und religiöse Vielfalt in unserem Land eine Bereicherung. Und deshalb freue ich mich immer besonders, bei Religionsgemeinschaften wie der Ahmadiyya Gemeinde zu sein, die sich ausdrücklich Werten wie Toleranz und Friedfertigkeit verschrieben haben. 

Die Ahmadiyya-Gemeinde zeigt im besonderen Maße, dass es nicht den einen Islam gibt. Genau wie bei Christen, Juden oder anderen Glaubensrichtungen gibt es sowohl konservative als auch liberale Auslegungen und Lebensweisen der Gläubigen. Die Glaubensgemeinschaft der Ahmadiyya ist für ihre Dialogbereitschaft bekannt: Sie hat Anerkennung als friedliche und weltoffene Gemeinde erfahren und ist ein herausragendes Beispiel für eine Glaubensgemeinschaft, die sich selbstbewusst dem Wandel der Welt stellt und mit modernen Reformen antwortet. 

Und deswegen werde ich auch zukünftig an Ihrer Seite stehen, wenn Angehörige Ihres Glaubens von Verfolgung, Unterdrückung und Übergriffen bedroht sind, wie zum Beispiel vor einigen Monaten die pakistanischen Ahmadyyis in Thailand. 

Diese Vorgänge haben gezeigt, dass wir von einem gleichberechtigten und friedlichen Zusammenleben weit entfernt sind. In einer immer enger zusammenwachsenden Welt ist gerade die Gleichbehandlung aller Glaubensrichtungen- und Weltanschauungen Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander: Nur so kann Religionsfreiheit Wirklichkeit werden. 

Diese Gleichbehandlung wird jedoch in kaum einem Land praktiziert – auch nicht in Deutschland: Religionsfreiheit, die ihren Namen verdient und wie sie das Grundgesetz vorschreibt, bedeutet: Keine Religion und keine Glaubensgemeinschaft darf gegenüber einer anderen privilegiert werden. Alle Glaubensgemeinschaften müssen die gleichen Rechte haben. Ohne diese Gleichbehandlung in allen Belangen sind religiöse Minderheiten Diskriminierungen ausgesetzt: auf dem Arbeitsmarkt, im Bildungssystem oder in Behörden. 

Darum ist es wichtig, dass wir gemeinsam gegen Diskriminierung ankämpfen und für einen ehrlichen Dialog streiten. Wir brauchen keine Debatten, in denen der Islam vorrangig in Zusammenhang mit Terrorismus und Extremismus diskutiert wird und  muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger unter Generalverdacht gestellt werden. 

Wir brauchen Debatten, die uns Perspektiven aufzeigen: Nämlich den gemeinsamen Wunsch nach Anerkennung, Gemeinschaft und Solidarität. Das Veranstaltungsmotto „Islam und Toleranz" ist dafür ein gutes Beispiel. 

Ich wünsche uns allen einen schönen und erkenntnisreichen Abend. Vielen Dank

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